Über die Bedeutung rechter Appelle unter Berücksichtigung konkreter Beispiele im gesamtgesellschaftlichen Kontext

Petitionen, Aufrufe oder Appelle werden in ihrer Bedeutung und ihren möglichen Auswirkungen auf den politischen Diskurs oder das politische Klima häufig unterschätzt. Die neurechte Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) zum Beispiel hat in der Vergangenheit mehrfach gezeigt, dass das demokratische Mittel, der Appell, eine Maßnahme insbesondere für rechte oder extrem rechte Interessen sein kann, der sich zur langfristigen Kampagne aufbauen und bei Bedarf reaktivieren lässt.

Ausgelöst durch die Ereignisse auf der Frankfurter Buchmesse wurde eine Petition namens Charta 2017 initiiert. Sie zeigt, wie das „demokratische Mittel“, die Petition, ohne Weiteres gegen demokratische Interessen eingesetzt werden kann. Im schlimmsten Fall sogar mit Erfolg.

Doch bevor wir dazu kommen, möchten wir in aller Kürze das „theoretische Rezept“ für einen Aufruf, einen Appell und seine Wirkung betrachten.

Im Allgemeinen

Benötigt wird ein mutmaßliches Problem mit einer entsprechenden Formulierung verbunden, die vorgibt auf eine Ungerechtigkeit aufmerksam machen zu wollen. Dabei knüpft sie an vorhandene Ängste, Zweifel, Emotionen im allgemeinen oder Ressentiments innerhalb der Bevölkerung an und nährt diese so. Auch die Position innerhalb einer demokratischen Gesellschaftsordnung nicht das zugesicherte Recht, wie zum Beispiel Meinungsfreiheit, erhalten zu haben oder durch Minderheiten unterdrückt worden zu sein, also die Position eines Opfers, wird gerne eingenommen und ebenso willfährig und mit Hingabe unterstützt, mitunter sogar von politisch andersdenkenden Menschen. Die zahlreichen Magazine, Zeitungen, Onlineportale inklusive der sozialen Medien sorgen für die notwendige Aufmerksamkeit und machen gleichzeitig Stimmung gegen dieses oder jenes vermeintliche Übel. Besonders effektvoll lässt sich in Szene setzen ein scheinbarer Angriff auf die Demokratie, wie wir an späterer Stelle noch aufzeigen werden.

Benötigt werden danach Menschen, die den Appell oder den Aufruf unterstützen respektive unterzeichnen. Infrage kommen alle, alle, die sich in ihren Emotionen, ihrer Skepsis, ihren Vorurteilen und/oder ihrer Weltanschauung angesprochen fühlen. Auch wenn die Anklage, der Appell keinen Lösungsweg aufzeigt, die Angesprochenen möglicherweise nur als „Stimmvieh instrumentalisiert“ werden, so werden die Unterstützer*innen dennoch einen Gewinn für sich verbuchen können, weil sie sich bestätigt fühlen oder in ihren Einstellung sogar bestärkt. Mit der richtigen Formulierung können auch Personen „vor den Karren gespannt werden“, die ein anderes Welt- und Menschenbild vertreten. Auch sie können dadurch einen Zugewinn verbuchen, weil es ihnen ermöglicht wird, sich in der streitbaren Rolle der Verfechter*in demokratischer Rechte erleben zu können.

Eine stetig anwachsende Zahl von Unterstützer*innen, und dies mag auch ein Grund für längere Laufzeiten von Petitionen oder Appellen sein, kann einen verstärkenden oder mitreißenden Effekt auch auf diejenigen ausüben, die noch nicht unterzeichnet haben oder dies aus verschiedenen Gründen nicht zu tun beabsichtigen. Dennoch können auch sie sich bestätigt fühlen in ihrer Besorgnis oder in ihren Urteilen, die nicht unmittelbar nach Antworten suchen, zuzüglich jener Personen, die sich jeglicher Konstruktivität verweigern.

Auch lässt sich nicht leugnen, dass es einen Unterschied ausmacht, ob ein Anliegen oder ein Aufruf von einer kleinen Gruppe vorgetragen oder einer Vielzahl von Unterstützer*innen getragen wird, am Besten mit einem akademischen Titel oder einem adeligen von.

Nicht zu vergessen ist die Wirkung von Solidarisierungseffekten nach innen und/oder außen. So können sich innerhalb bestehender Strukturen neue Kooperationen entwickeln, personelle Verbindungen entstehen oder sich verfestigen. Und weil Appelle und Petitionen durchaus eine strukturstiftende Funktion innehaben können, geht es auch um Vernetzung.

Und seien wir ehrlich, dieses „Wir gegen Die“ oder „Die gegen Uns“ kann dynamische Prozesse zusätzlich intensivieren.

Ob und wie nachhaltig die Wirkung eines Aufrufs, einer Petition, ist oder sein kann, wird ebenso beeinflusst durch den „richtigen Zeitpunkt“, weil jeder Aufruf, jeder Appell im gesamtgesellschaftlichen Kontext betrachtet werden muss.

Bevor wir uns mit den Ereignissen auf der Frankfurter Buchmesse 2017 und der Charta 2017 auseinandersetzen, müssen wir einen Umweg gehen.

Rückblick

Appell für die Pressefreiheit – Version I

Wir gehen zurück ins Jahr 2001. In diesem Jahr, genau am 30.01.2001, wird der „Appell für die Pressefreiheit“ als Version I erstmalig von der Jungen Freiheit erwähnt, initiiert von Alexander von Stahl, FDP-Politiker und ehemaliger Generalbundesanwalt. (1) Anlass ist die Kündigung des JF-Kontos am 05.01.2001 durch die deutsche Postbank.

Anmerkung: Zu diesem Zeitpunkt wird die Junge Freiheit bereits seit 1995 fortlaufend vom Verfassungsschutz beobachtet und im Verfassungsschutzbericht als „rechtsextrem“ aufgeführt. (2) Der letzte Eintrag im Verfassungsschutzbericht ist zu finden in der Ausgabe 2004. (3)

Hier das Original der: „Appell für die Pressefreiheit
Die Postbank AG hat mit Schreiben vom 5. Januar 2001 der Berliner Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT aus politischen Gründen zum 8. April 2001 das Hauptgeschäftskonto gekündigt. Dies bedeutet, gerade für eine kleine Zeitung, die Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz. Eine Bank kann kein Medienunternehmen in den Ruin treiben, nur weil ihr dessen politische Richtung nicht paßt. Eine Bank, insbesondere ein Unternehmen wie die Postbank, das mittelbar zu fast 100 Prozent in Staatsbesitz ist, darf die Pressefreiheit nicht beeinträchtigen. Wir protestieren gegen diesen Grundrechtseingriff in die Pressefreiheit und fordern die Postbank auf, die Kontenkündigung gegen die Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT wieder zurückzunehmen.

Zu den Unterzeichnenden gehören bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie zum Beispiel der Fernsehjournalist Dr. Franz Alt, die CSU-Landtagsabgeordneten Dr. H.-P. Uhl und Dr. Paul Wilhelm, Wilfried Böhm (CDU) oder Rolf Stolz („Publizist und Mitbegründer der „Grünen„). Aus antifaschistischer Perspektive sind es allesamt wenig honorige Personen, denn auch mit dabei der Antisemit und CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann (inzwischen Bundestagsabgeordneter der rechtsextremen Alternative für Deutschland), ferner die Abtreibungsgegner aus christlich-fundamentalistischen Kreisen wie zum Beispiel Pater Lothar Groppe (als ehemaliger Leiter der deutschen Sektion von Radio Vatikan) oder Helmut Matthies (Chefredakteur der evangelischen Nachrichtenagentur idea und Junge Freiheit-Autor), sowie die bekannten Vertreter der Neuen Rechten Karlheinz Weißmann und Stefan Winckler. Und das war nur eine Auswahl aus insgesamt 47 aufgeführten Unterstützern. (4)

Anmerkung: Der Appell für die Pressenfreiheit wurde durch weitere Artikel zum Thema in der Junge Freiheit regelrecht aufgebauscht und auch bundesweit mit Originaltext und Unterschriftenliste in versch. Tageszeitungen veröffentlich. Um den Rahmen dieses Beitrages nicht zu sprengen, beschränken wir uns hier auf das Wesentliche. Eine chronologische Abfolge bleibt deshalb aus.

Bereits eine Woche später berichtet Alexander von Stahl in seinem Beitrag für die JF von 1.350 Unterzeichnenden (5) und schon am 16.02.2001 verkündet die JF mit Stolz: „Nach wie vor gehen in der Redaktion der JUNGEN FREIHEIT täglich Unterstützer-Faxe für den „Appell für die Pressefreiheit“ ein, inzwischen sind es 1.630. Vielen Dank, liebe Leser, jedes Einzelne ist uns eine Freude. Wer hätte schon damit gerechnet, daß die Postbank in Sachen Kündigung des Hauptgeschäftkontos der JF so schnell einlenken würde?“ (6)

Diese Mitteilung bedeutet jedoch nicht das Ende des Appells für die Pressefreiheit.

Appell für die Pressefreiheit – Version II

Am 03.02.2002 erscheint in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) ein ganzseitig publizierter „Appell für die Pressefreiheit gegen die Verletzung demokratischer Grundrechte durch den NRW Verfassungsschutz“. (7) Dieser richtet sich nunmehr gegen die Beobachtung durch den Verfassungsschutz und die Erwähnung der Jungen Freiheit im Verfassungsschutzbericht.

Hier das Original: „Appell an Ministerpräsident Wolfgang Clement
Appell für die Pressefreiheit 
Gegen die Verletzung demokratischer Grundrechte durch den NRW-Verfassungsschutz

Auf Initiative des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen wird seit 1995 die Berliner Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT vom dortigen Landesamt für Verfassungsschutz in seinen Berichten „erwähnt“. Der schwerwiegende Vorwurf der „tatsächlichen Anhaltspunkte für den Verdacht auf rechtsextremistische Bestrebungen“ gegen eine auf dem Boden des Grundgesetzes stehende Zeitung stellt eine Verletzung demokratischer Grundrechte dar. Die durch eine staatliche Behörde erhobenen Vorwürfe setzen eine politisch unbequeme Wochenzeitung unter massiven Druck. Die vom NRW-Verfassungsschutz publizierten Vorwürfe haben konkrete wirtschaftliche und politische Diskriminierungen zur Folge. Interviewpartner, Autoren, Anzeigenkunden und Vertriebspartner geraten unter öffentlichen Druck, wenn sie mit der JUNGEN FREIHEIT in Verbindung stehen.

Seit 1996 führt die JUNGE FREIHEIT ein aufwendiges Verwaltungsstreitverfahren gegen das Land Nordrhein-Westfalen. Seit Juni 2001 liegt der Fall im Rahmen einer Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Die JUNGE FREIHEIT faßt in dieser Verfassungsbeschwerde die wesentlichen Grundrechtsverstöße zusammen, die durch die verfassungswidrige Erwähnung der JUNGEN FREIHEIT im NRW-Verfassungsschutzbericht ausgelöst werden: „Verletzung der Meinungsfreiheit (Art. 5 I 1, 1.Alt.GG) und der Pressefreiheit (Art. 5 I 2, 1. Alt. GG), des Persönlichkeitsrechts (Art. 2 I i. V. m. 1 I bzw. 5 I 2 oder 12 I GG), der Berufsfreiheit (Art. 12 I GG) und des Gleichheitssatzes / Willkürverbots (Art.“ I GG)“ (Verfassungsbeschwerde JF ./. NRW, S. 1)

Ich fordere den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Clement, auf, dafür zu sorgen, daß die diskriminierenden Maßnahmen des NRW-Innenministeriums gegen die Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT unverzüglich gestoppt werden, daß die JUNGE FREIHEIT nicht mehr im Verfassungsschutzbericht des Landes NRW erwähnt wird und daß es der NRW-Verfassungsschutz unterläßt, die JUNGE FREIHEIT in den Verdacht des Extremismus zu setzen.“ (8)

Laut Pressemitteilung am 03.06.2003 sollen „bis zur Stunde (…) die Zahl der Unterstützer auf über 2000 Personen gestiegen“ sein. (9) Als Unterzeichner dieser Variante werden der Philosoph Prof. Robert Spaemann, der Politiker Otto von Habsburg, der Staatsrechtler und langjährige Präsident des bayrischen Senats, Prof. Walter Schmitt- Gläser, der Staatsrechtler und der Generalsekretär des Zentrums für Deutsches Recht am Institut für Staat und Recht der Russischen Akademie der Wissenschaften, Prof. Wolfgang Seiffert genannt. (10)

Vertreten durch den ehemaligen Generalbundesanwaltes von Stahl führt der mehrjährige Klageweg zu einer Verfassungsbeschwerde der Jungen Freiheit, der sich gegen die Aufnahme im Verfassungsschutzbericht richtet, schließlich zum Erfolg. (11)

Anmerkung:Die letztmalige Erwähnung der Junge Freiheit im Verfassungsschutzbericht fand 2004 statt.

Dieser Erfolg bedeutet allerdings immer noch nicht das Ende des „Appell(s) für die Pressefreiheit“.

Appell für die Pressefreiheit – Version III

Anlässlich der Ausladung von der Leipziger Buchmesse im Jahr 2006 wird er erneut aktiviert. Dieses Mal iniitiiert von der Jungen Freiheit gemeinsam mit Günter Zehm. (12) Der Appell für die Pressefreiheit wird mit dem Zusatz versehen: „Protest gegen Leipziger Buchmesse“.

Hier die Formulierung (vom 07.02.2006), die auch als Anzeige in der FAZ und der Süddeutschen Zeitung publiziert wurde: „Die Leipziger Buchmesse hat mit Schreiben vom 30. Januar 2006 der Berliner Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT aus politischen Gründen die Teilnahme als Aussteller an der diesjährigen Leipziger Buchmesse (16.-19. März) verweigert. Angeblich gefährde die Präsenz der JUNGEN FREIHEIT die “ordnungsgemäße Durchführung“ der Buchmesse.

Die Gesellschafter der Leipziger Messe GmbH sind der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig. Der Ausschluß der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT ist eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit, eine Einschränkung, die besonders schwerwiegt, wenn sie von einer öffentlichrechtlichen Institution vorgenommen wird. Wir protestieren gegen diesen Grundrechtseingriff und fordern die Leipziger Messe GmbH auf, den Ausschluß der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT von der Leipziger Buchmesse wieder zurückzunehmen.“ (13)

Weiter wird berichtet unter der Überschrift: „Appell für die Pressefreiheit: Arnulf Baring, Joachim Fest und Helmut Markwort unterstützen JUNGE FREIHEIT

Auf breite Unterstützung stößt ein Appell für die Pressefreiheit, mit dem sich die Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT gegen ihre politisch motivierte Ausladung von der Leiziger Buchmesse wehrt. Zu den bisherigen Unterzeichnern gehören unter anderen der Herausgeber des Nachrichtenmagazins „Focus“, Helmut Markwort, der ehemalige FAZ-Herausgeber, Historiker und Publizist Joachim Fest, der Historiker und Publizist Arnulf Baring, SPD-Bundesminister a.D. Andreas von Bülow, die CSU-Bundestagsabgeordneten Peter Gauweiler und Norbert Geis, der Chefredakteur der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, Helmut Matthies, die Schriftsteller Eckhard Henscheid, Arno Surminski und Ulrich Schacht, die Hochschullehrer Martin van Creveld, Ernst Nolte, Helmut Quaritsch, Robert Spaemann, Theodor Schweisfurth, Alfred M. de Zayas, die Journalisten und Autoren Gernot Facius, Günter Gillessen, Michael Klonovsky, Fritz Schenk, Klaus Wippermann, Botschafter a.D. Horst Weisel sowie der frühere Generalbundesanwalt Alexander von Stahl.“ (14)

Zwei Pressemitteilungen und viele solidarische Bekundungen später, präziser am 10.02.2006, erfolgt die telefonische Einigung mit dem Messedirektor der Leipziger Buchmesse. Die neurechte Wochenzeitung erhält die Zulassung zur Teilnahme an der Messe in Leipzig ganz ohne Auflagen. (15)

Am selben Tag werden in der JF gleich drei Artikel zum Appell veröffentlicht, in denen weitere Unterstützende aufgeführt werden. Ein vierter Text mit der Überschrift „Leipzig zensiert“, verfasst von Andreas M. Daniel, nutzt die Gelegenheit ausfürhlich über diesen „Affront erster Güte“ (gemeint ist Ausladung von der Buchmesse) zu schreiben und darauf hinzuweisen: „Es ist nicht das erste Mal, daß sich die 1986 gegründete und seit Januar 1994 als Wochenzeitung erscheinende JUNGE FREIHEIT gegen Willküraktionen zur Wehr setzen muß. So kündigte Anfang Januar 2001 die Deutsche Postbank mit einem sechszeiligen Schreiben der JF ihr Hauptgeschäftskonto, weil es „derzeit keine ausreichende Grundlage für eine Geschäftsbeziehung“ gebe.

Und schon sind wir bei Vatiante I des „Appells für die Pressefreiheit“. Der Autor geht jedoch noch weiter in der Zeit zurück und beschreibt „schwerste Gefährdungen ihrer Existenz“, die die Junge Freiheit „Jahre zuvor durchstehen musste“ und bezieht sich dabei auf den von der Jungen Freiheit initiierten Appell „Die Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ (1994/1995). (16) Besagter Artikel endet mit dem „demokratischen Anspruch“ allerdings aus rechtsextremer Perspektive: „“Nichts hören, nichts sehen, nichts sprechen“ darf in diesen Tagen allerdings nicht mehr die Devise der Meinungsmacher an Rhein, Isar, Spree und Elbe sein. Und so sollte der Appell für die Pressefreiheit auf fruchtbaren Boden fallen.“ Und einem subtilen Hinweis auf die Position als Opfer: „Haupteingang der Leipziger Buchmesse (2004): Den Besuchern der Messehallen droht in diesem Jahr ein bewußt eingeschränktes Programm“. (17)

Damit ist die Angelegenheit noch nicht beendet. Am 17.02.2006 veröffentlicht unter der Überschrift „Danke!“, kann die Junge Freiheit 1.500 Unterzeichner*innen vorweisen und verbindet ihren Erfolg mit der Bitte um Spenden auf das Solidaritätskonto „Appell für die Pressefreiheit“, weil die Anzeigen in der Frankfurter Allgemeinen und der Süddeutschen Zeitung finanziert werden müssen. (18)

Unterzeichnet haben mittlerweile den Appell eine Vielzahl unbekannter Personen, aber u.a. auch: Dr. Bruno Bandulet (Mitgründer Bund Freier Bürger, Autor Freie Welt), Hans-Olaf Henkel (Junge Freiheit-Autor, Gründungsmitglied der AfD), der christlichfundamentale Abtreibungsgegner Wolfgang Ockenfels (Unterzeichner der Marburger Erklärung, Forum Deutscher Katholiken), Michael Klonovsky (u.a. Autor für die rechtsextreme Onlineplattform Journalistenwatch, Freitum und Compact), Dr. Joachim Fest, Dr. Klaus Peter Krause (jetzt AfD), Alain de Benoist (bekannter Vertreter der Neuen Rechten), Friedhelm Farthmann (SPD), Ronald Gläser (jetzt AfD), der bekennende Antifeminist Arne Hoffmann, Hans Hirzel (ehem. Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose„), Bernd Kallina (Referent für die rechtsextreme Münchner Burschenschaft Danubia),  Thor Kunkel (Creative Director der AfD-Wahlkampagne 2017), André F. Lichtschlag (Eigentümlich frei)… .

Und dies war nur eine kleine Auswahl.

Wer diese Seite, vielleicht sogar diesen Blog, noch nicht verlassen hat, weil sich Namen, Daten und auch Informationen derart verdichtet haben, dass sich unsererseits ernsthafte Bedenken an diesem Beitrag einstellen, wird nicht überrascht sein. Der Appell geht weiter.

In der nachfolgenden Ausgabe (24.02.2006) werden weitere Unterstützer namentlich genannt. Der Zenit des Appells scheint erreicht. In den nächsten Wochen wird der Appell verknüpft mit zahlreichen Artikeln und Berichten über die Leipziger Buchmesse. den bitteren Erfahrungen mit der Einschränkung der Pressefreiheit. Auch der Zusammenhang zwischen „Pressefreiheit und Menschenrecht“ wird ausgiebig erörtert.

Aktuell

Nach diesem Bruch befinden wir uns wieder im Hier und Jetzt. Im Mittelpunkt des nachfolgenden Abschnitts stehen die Ereignisse auf der diesjährigen Buchmesse, stattgefunden in der Zeit vom 11. bis 15. Oktober.

Natürlich findet kein Ereignis, das umfasst auch eine Ausstellung wie zum Beispiel die Buchmesse, in einem gesellschaftlichen oder politischen Vakuum statt. Alles was geschieht muss darum stets als Ausdruck eines herrschenden gesellschaftlichen Klimas verstanden werden.

Über das gesellschaftliche Klima in Deutschland 2017 gäbe es viel zu sagen. Über den Rechtsruck der Gesellschaft, den „Extremismus der Mitte“, (19) der Gängelung linker Bewegungen, der Diskreditierung von Antifaschismus im allgemeinen, der Kriminalisierung aktiver Antifaschist*innen, der Militarisierung der Polizei, der Polizeigewalt nicht nur im Rahmen der G20-Proteste, der daraus folgenden stigmatisierenden Wirkung und das trotz mittlerweile erwiesener Lügen durch Polizei und Medien, über das Verstummen linker Stimmen und darüber was jene, z.B in den sozialen Medien erfahren müssen, die nicht schweigen können und/oder wollen, über die Zunahme rechter Gewalt, darüber wie sich Menschen mit Migrationsvorder- oder –hintergrund fühlen, über die Steigerung von Angriffen auf Homosexuelle, darüber wie die Erinnerung an den Faschismus in Deutschland ausstirbt, Tatsachen wie der Holocaust verharmlost oder geleugt werden oder über den Ausgang der Bundestagswahl, der 92 Rechtsextremen der Alternativen für Deutschland (AfD) zum Teil der Legislative hat werden lassen, zu deren Hauptmerkmal auch der Antifeminismus gehört und die mit faschistischen Gruppierungen, Verlagen und/oder Organisationen kooperieren, obwohl eine mittlerweile 13seitige Unvereinbarkeitsliste existiert, die die Zusammenarbeit zum Beispiel mit Pegida oder der Identitären Bewegung ausdrücklich untersagt. (20)

Genaugenommen müssten wir zusätzlich noch über die vielen gesamtgesellschaftlichen Probleme schreiben, darüber dass zum Beispiel Armut im Alter überwiegend Frauen betrifft, über die Gentrifizierung, den notwendigen sozialen Wohnungsbau und die Auswirkungen der sog. „Mietpreisbremse“, über die Notstände im Bereich Pflege und Gesundheit, über die Digitalisierung von Arbeitswelten, marode Schulen, Umweltverschmutzung und Klimawandel, über all die Probleme, die die politischen Parteien nur halbherzig oder gar nicht zu lösen bereit sind; über die fehlenden Antworten und kaum vorhandenen Visionen, wenn es um die Frage geht „Wie wollen wir zukünftig leben?“ Denn all das trägt zu einem politischen Klima bei.

Bedauerlicherweise haben wir nur an der Oberfläche kratzen können, doch die Ereignisse anlässlich der Frankfurter Buchmesse, d.h. während und danach, müssen, wie alles andere auch, im gesamtgesellschaftlichen Kontext betrachtet werden und sollten damit zugleich, wie wir eingangs festgestellt haben, auch als Ausdruck eines herrschenden gesellschaftlichen Klimas verstanden werden.

Die Frankfurter Buchmesse 2017

Anmerkung: Unter (21) haben wir einige lesenswerte Berichte und Zeitungsartikel aufgeführt, damit sich Interessierte ausführlicher über die Ereignisse auf der Frankfurter Buchmesse 2017 informieren können. Auf die Beschreibung eines chronologischen Ablaufs haben wir darum in diesem Abschnitt verzichtet.

An die Ereignisse während der diesjährigen Frankfurter Buchmesse werden sich vermutlich viele noch länger erinnern können.

Wir möchten die Mitarbeiter*innen der Antonio Amadeu Stiftung benennen, deren Stand in unmittelbarer Nähe zum rechtsextremen Antaios Verlag positioniert worden war und die die „Landnahme“ der Faschist*innen, ihre Reden und die von ihnen ausgehenden Provokationen hautnah miterleben mussten. (22) Das dürfte auch für die Verletzten gelten, die von den Rechtsextremen angegriffen wurden (nachweislich gab es zwei) und die Teilnehmer*innen einer Protestaktion am 14.10.2017 gegen den Antaios Verlag betreffen, die von den vor Ort anwesenden Faschist*innen im Stil der „Anti-Antifa“ zunächst fotografiert, darüberhinaus noch beleidigt, bedrängt und/oder bedroht wurden. Insbesondere weil all das unter den Augen bewaffneter Polizist*innen geschah, die dagegen nichts unternahmen, weil sie entweder überfordert waren oder ganz einfach auf dem rechten Auge blind sind. Besonders die Teilnehmer*innen der Frankfurter Buchmesse aus dem Ausland werden die aggressive Stimmung, das bedrohliche Szenario, nicht vergessen können, wie sie aus Angst und Verunsicherung die Messehalle oder gleich ganz die Buchmesse verließen und es umfasst auch die, die die Ereignisse über die sozialen Medien live und in Farbe verfolgen konnten. Sie sahen, was geschah.

Dabei gab es bereits im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse zahlreiche kritische Stimmen, die vor der Teilnahme des rechtsextremen Antaios Verlages gewarnt hatten, doch mit der Phrase abgespeist wurden, im Sinne der Meinungsfreiheit müsse das sein.

Interessanterweise musste auch Juergen Boos persönlich erfahren, wie groß das Aggressionspotential der Faschist*innen am Stand des Antaios-Verlages war (bezieht sich auf Samstag, 14.10.2017). Mit Angriffslust drückte ihm Kubitschek das mitgebrachte Megafon aus der Hand, weil Boos, in seiner Eigenschaft als Veranstalter und Hausherr, die Veranstaltung mit den Identitären für beendet erklären wollte. Nein, Kubitschek hatte diese Bühne und die ließ er sich nicht nehmen. (23) Umgeben von gröhlenden Faschist*innen, war es Boos, der mit hängenden Schultern das Podium verließ, während Kubitschek auf der Bühne stehen blieb und diesen eroberten Raum mit seiner gesamten Präsenz ausfüllte.

Später gab dann der Veranstalter diese nicht nachvollziehbare Stellungnahme ab: „Stellungnahme von Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, und Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse:

Die Frankfurter Buchmesse lebt von der Vielfalt der Meinungen und ist ein Ort des freien Dialogs. Das ist die unveränderliche Haltung der Frankfurter Buchmesse und des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. 

Während der letzten Tage gab es auf der Frankfurter Buchmesse gezielte Provokationen, Sachbeschädigungen und tätliche Übergriffe zwischen linken und rechten Gruppierungen. Bei Veranstaltungen von Verlagen der Neuen Rechten kam es zu Handgreiflichkeiten, die von der Polizei aufgelöst wurden.  

Wir verurteilen jede Form der Gewalt. Sie verhindert den Austausch von politischen Positionen. Wir werden sie als Mittel der Auseinandersetzung nicht zulassen.“ (24)

Im Laufe des gesamten Wochenendes (gemeint ist 14. u. 15.10.2017) gingen zahlreiche Anfragen, fast ausschließlich Kritik, verbunden mit der Aufforderung einer Stellungnahme an bookfair via twitter, darunter auch viele Mitteilungen von uns. Diese blieben bis heute allesamt unbeantwortet. Was vielleicht der Tatsache geschuldet war, dass zum Beispiel der rechtsextreme Kopp Verlag Mitglied des Börsenvereins des deutschen Buchhandels ist. (25)

Der Vollständigkeithalber wollen wir noch erwähnen, dass in diesem Jahr u.a. folgende rechte/rechtsextreme Verlage auf der Buchmesse vertreten waren, so z.B. die Junge Freiheit, der Manuscriptum Verlag, der Informationsdienst der evangelischen Allianz (idea), die Deutsche Vereinigung für eine christliche Kultur e.V. (DVCK), die Freunde der Vierteljahresschrift TUMULT e. V., sowie der österreichische Karolinger Verlag. (26)

Vielleicht sollten wir die Stellungnahme der Veranstalter und ihr Schweigen auf konkrete Anfragen einer neuen Bewertung unterziehen. Könnte es sein, dass ein Rechtsruck auch hier stattgefunden hat oder noch weiter fortgeschritten ist? Wir wissen es nicht, wir würden an dieser Stelle nur spekulieren. Darum wenden wir uns jetzt dem Antaios Verlag zu.

Der Antaios Verlag

Inhaber des Verlag(s) Antaios e.K., der 2000 gegründet wurde, ist Götz Kubitschek (27), Mitbegründer des rechtsextremen „Institut(s) für Staatspolitik“ (IfS) und u.a. Herausgeber des Magazins Sezession. Geschäfts- und Privatadresse von Kubitschek, Verlag und Verein (für Staatspolitik e.V.) ist das Rittergut in Schnellroda. Hier finden mehrmals im Jahr Veranstaltungen, wie zum Beispiel Kongresse oder die Sommer-/Winterakademie statt. So schrieb Thüringen24 im Februar 2017: „Kein anderer Ort steht in Deutschland so sehr für die Vernetzung der Neuen Rechten.“ (28)

In diesem Fall handelt es sich keineswegs um eine Übertreibung.

Um die Vernetzung des Verlags Antaios zu visualisieren, haben wir dieses Schaubild (1) erstellt.

Der Verlag Antaios und seine Verbindungen

Anmerkungen zur Grafik

Weil braune Felder schlecht lesbar sind, wählten wir grün, um die Zusammenarbeit auf der Verlagsebene aufzuzeigen. Hier sind alle Verbindungen aufgeführt, auf die der Verlag auf seiner Webseite hinweist.

Rötliches-orange kennzeichnet die Autor*innen der Verlage und helles gelb zeigt ihre weiterführenden Verbindungen. In beiden Fällen haben wir uns, um noch ein wenig Lesbarkeit zu erhalten, auf eine kleine Auswahl beschränkt. Das Schaubild kann also nur einen oberflächlichen Eindruck vermitteln, erhebt daher auch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.

Unter Berücksichtigung der Gäste des Antaios-Verlages auf der Frankfurter Buchmesse erstellten wir Schaubild (2).

Anmerkungen: Hier haben wir sämtliche Gäste des Antaios Verlags auf der Frankfurter Buchmesse 2017 aufgeführt und einen Teil ihrer Kontakte und Verbindungen dargestellt.

Wollten wir die Vernetzung des Antaios Verlages, von Götz Kubitschek und seinen Gästen annähernd realistisch abbilden, müssten wir beide Grafiken übereinanderlegen und zusätzlich noch die fehlenden Verbindungen ergänzen. Doch dann würde nichts mehr zu erkennen sein. Darum müssen wir uns mit diesen beiden Abbildungen begnügen.

Was jedoch zu sehen ist, sind die Kontakte, die sich zur Alt Right-Bewegung (USA) erstrecken, nach Österreich (IB, Neue Ordnung, FAV), zur Lega Nord (Italien) und gleichzeitig z.B. über die Patriotische Plattform und die Alternative für Deutschland (AfD)  in den Deutschen Bundestag reichen.

Die Charta 2017

Anmerkung: die korrigierten Fassungen der Charta 2017 für Interessierte hier

Hier das Original inklusive der Fehler und ohne Korrekturen, die mittlerweile vorgenommen worden sind:

Appell: Charta 2017 – Zu den Vorkommnissen auf der Frankfurter Buchmesse 2017

Die Vorkommnisse auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse machen deutlich, wie widersprüchlich es in unserem Land zugeht: wie unter dem Begriff der Toleranz Intoleranz gelebt, wie zum scheinbaren Schutz der Demokratie die Meinungsfreiheit ausgehöhlt wird. Wenn ein Branchen-Dachverband wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der Buchhandlungen und Verlage vereint, darüber befindet, was als Meinung innerhalb des Gesinnungskorridors akzeptiert wird und was nicht, wenn gar zu »aktiver Auseinandersetzung« mit missliebigen Verlagen unter Nennung ihrer Standnummer aufgerufen wird und diese dann im »Kampf gegen Rechts« beschädigt und ausgeräumt werden – dann ist unsere Gesellschaft nicht mehr weit von einer Gesinnungsdiktatur entfernt. Die Vorkommnisse auf der Frankfurter Buchmesse, auf der Stände von Verlagen, deren programmatische Ausrichtung der Börsenverein vorab als nicht gutzuheißendes »Gedankengut« deklarierte, zerstört wurden, passen nicht zu einer offenen und toleranten Gesellschaft und sind eines freien Geisteslebens unwürdig. Die Erstunterzeichner der Charta 2017 wehren sich entschieden gegen jede ideologische Einflussnahme, mit der die Freiheit der Kunst beschnitten wird. Wehret den Anfängen – für gelebte Meinungsfreiheit, für ein demokratisches Miteinander, für respektvolle Auseinandersetzungen!

Begründung:

Nach den Vorkommnissen auf der Frankfurter Buchmesse (Zerstörung und Raub der Bestände von den Ständen der Verlage Antaios, Manuscripum/TUMULT) scheint es uns längst an der Zeit, gemeinsam ein Zeichen für das hohe Gut der Meinungsfreiheit zu setzen. Wir haben Buchhändler, Autoren und Publizisten gebeten, bei dieser Charta als Erstunterzeichner öffentlich aufzutreten. Unterzeichnen nun auch Sie!

Anmerkung: An dieser Stelle folgt eine Auflistung der Erstunterzeichner, die wir aus Gründen der besseren Übersichtlichkeit überarbeitet und mit zusätzlichen Informationen versehen haben (siehe weiter unten).

Quellen: www.boersenverein.de/1378506/?t=newsletter_tnl www.freitag.de/autoren/der-freitag/es-ist-nicht-ansteckend www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=69440 www.welt.de/kultur/literarischewelt/article169656233/Es-ist-das-Worst-Case-Szenario-einer-Buchmesse.html

Im Namen aller Unterzeichner/innen.

Dresden, 16.10.2017 (aktiv bis 15.04.2018)“ (29)

Zu den Erstunterzeichner*innen gehören u.a.: (30)

  • der Autor Parviz Amoghli (schreibt für TUMULT, Deutscher Arbeitgeberverband e.V. Markt & Freiheit, Referent der Berliner Burschenschaft Gothia….)
  • die Publizistin Vera Lengsfeld (CDU, ehemalige Bürgerrechtlerin, die für verschiedene Medien, der neuen Rechten schreibt)
  • der Publizist Sebastian Hennig (schreibt u.a. für Sezession, Compact, TUMULT)
  • die Autorin Cora Stephan (schreibt u.a. für die AfD-nahe Freie Welt des Sven von Storch, achgut.com)
  • der Publizist Roger Letsch (schreibt u.a. für die rechtsextreme Onlineplattform Journalistenwatch, achgut.com)
  • der Autor Michael Klonovsky (u.a. Junge Freiheit, Journalistenwatch )
  • der Publizist Matthias Matussek (schreibt u.a. für Deutscher Arbeitgeberverband e.V. Markt & Freiheit, Junge Freiheit, mittlerweile bekennender Sympathisant der Identitären Bewegung (31), der im November 2011 von der „Welt“ als Kolumnist fristlos gekündigt wurde. Während einer Konferenz der „Welt am Sonntag“ hatte er seinen Chefredakteur als „durchgeknalltes Arschloch“ bezeichnet und den Konferenzleiter ebenfalls als „Arschloch“ beleidigt. Nach einer Klage erfolgte eine Einigung. Der Arbeitsvertrag wurde aufgelöst und Matussek wurde „freier Journalist“). (32)
  • der Autor Ulrich Schacht (Förderverein Freunde der Vierteljahresschrift TUMULT und Autor, schreibt zusätzlich noch u.a. für Eigentümlich Frei, auch Referent Compact…)
  • der Publizist Ulli Kulke (schreibt u.a. für achgut.com, Welt)
  • der Autor Eberhard Straub (Referent Institut für Staatspolitik (IfS), schrieb bisher u.a. für Sezession, Junge Freiheit…)
  • der Publizist Alexander Meschnig (Autor achgut.com)
  • der Autor Siegfried Gerlich (schrieb bisher u.a. für Sezession, Junge Freiheit, TUMULT)
  • der Publizist Heimo Schwilk (u.a. Referent für die rechtsextreme Münchner Burschenschaft Danubia, schrieb u.a. bisher für Junge Freiheit oder der Welt einen begeisternden Artikel über die „Bibliothek des Konservatismus“, einzuordnen Neue Rechte)
  • der Autor Jörg Friedrich (Unterzeichner des Appells für die Pressefreiheit (Variante III 2006))
  • der Publizist Hans-Joachim Maaz (Interviewpartner Freie Welt, der stets vor der kindlichen Belastung durch Krippenbetreuung warnt)
  • die Autorin Bettina Gruber (vom Förderverein Freund der Vierteljahresschrift TUMULT)
  • der Autor Volker Mohr (schrieb bisher auch für Sezession)
  • der Autor Markus Vahlefeld (schrieb bisher für achgut.com)
  • Alexander Wendt (Autor u.a. achgut.com, Freie Welt, Eigentümlich frei)
  • der Schriftsteller Uwe Tellkamp (bekannt durch seinen Roman „Der Turm“)
  • Kristina und Jörg Drieselmann (beide vom Stasimuseum Berlin)

sowie neun weitere bisher weitgehend unbekannte Personen, zuzüglich der Initiatorin der Petition Susanne Dagen vom Dresdner Buchhaus Loschwitz, die von der TAZ als „Pegida-nahe Buchhändlerin“ bezeichnet wird (33) und die sich selbst als Pegida-Sympathisantin sieht, die sich dafür nicht verstecken will. (34)

Zusätzlich haben diese Petition noch unterzeichnet:

Der Abtreibungsgegner und Sezessions-Autor Andreas Lombard, Dieter Stein (Junge Freiheit), Caroline Sommerfeld (Autorin Sezession und Aktivistin der Identitären Bewegung (IB) Wien), Dr. Claus Wolfschlag (Erstunterzeichner des revisionistischen Frankfurter Aufruf, Referent der rechtsextremen Münchner Burschenschaft Danubia), Alexander Tassis (Alternative für Deutschland), der Antifeminist Dr. Alexander Ulfig (u.a. Autor cuncti), der ehemalige Republikaner Michael Paulwitz (Referent diverser Burschenschaften), Wolfgang Ockenfels (u.a. Junge Freiheit-Autor), Ingrid Ansari (u.a. Tichys Einblick), Benjamin J. Przybylla (AfD), die Compact-Autorin A. Benjamine Moser, Lion Edler (Junge Alternative, Junge Freiheit-Autor), Manfred Kleine-Hartlage (u.a. Autor für Zuerst!, Compact …), Nicolaus Fest (u.a. Autor Junge Freiheit, Journalistenwatch), Adorján Kovács (Autor cuncti, Unterstützer der Frankfurter Erklärung), Henning Hoof (Manuscriptum Verlag).

Und das war nur eine kleine Auswahl aus bisher 6.789 Unterstützenden. (35)

Abschließende Bemerkungen

Nicht nur wegen seiner aktuellen Wirkung haben wir uns so ausführlich mit den Unterstützer*innen der “Charta 2017“ befasst, sondern auch um auf die Komplexität und Dynamik des Zusammenspiels aus Petition(en), rechten oder rechtsextremen Medien, Blogs (Onlineplattformen), Organisationen und Einzelpersonen hinzuweisen. Denn wer eben noch als Unterstützer*in auftritt, wird in Verein, Organisation, Blog oder sozialem Umfeld zum Sprachrohr, das wiederum andere in ihrem Denken beeinflusst, bestärkt oder ganz einfach manipuliert.

Und darauf basiert die Gefährlichkeit rechter/rechtsextremer/faschistischer Strukturen, Verbindungen oder Vernetzungen, besonders dann wenn sie unerkannt bleiben und/oder sich hinter der Maske demokratischer Ansprüche oder Forderungen verbergen.

Unter der Berücksichtigung der Vielzahl publizierender Unterstützer*innen, dürfte es darum niemand mehr wundern, dass sich mittlerweile in den Medien des sog. „Mainstream“ oder in der „bürgerlichen Mitte“ die Ansicht verbreitet hat, mit ‘Rechten‘ müsse geredet werden und die Verweigerung eines Diskurses sei nicht hinzunehmen, weil Toleranz stets auch für Andersdenkende gelte. Ganz ungeachtet der Tatsache, dass jene Andersdenkenden, wie zum Beispiel Kubitschek oder der Buchautor Jack Donavon (Alt Right, Sezessions-Autor eines Textes mit dem Titel „harte Währung Gewalt“) (36), keine auf Demokratie basierende Gesellschaftsform anstreben, sondern sich einer „Doppelstruktur“ bedienen. Also demokratische Rechte zu nutzen und sie dort zu verwerfen, wo es ihrem politischen Willen zuwider läuft. (37)

Anmerkung: sobald der Beitrag über Jack Donavan erstellt worden ist, werden wir diesen hier verlinken

Quellen:

(1) Appell für die Pressefreiheit Dokumentation: Unterzeichner fordern von der Postbank die Rücknahme der Kündigung des JF-Kontos, 30.01.2001

(2) http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/13/053/1305355.asc, Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS vom 15.07.1996, zuletzt abgerufen am 26.10.2017

(3) https://brightsblog.files.wordpress.com/2008/11/2004.pdf, zuletzt abgerufen am 26.10.2017

(4) jungefreiheit.de, 06/01 02. Februar 2001 „Appell für die Pressefreiheit“

(5) jungefreiheit.de, 07/01 09. Februar 2001, Alexander von Stahl „zur Pressefreiheit Der Skandal von Münster“

(6) jungefreiheit.de, 08/01 16. Februar 2001 „JF intern Stiller Rückzug“

(7) jungefreiheit.de Pressemitteilung: Berlin, den 03. Juni 2002, „Schon 2000 Unterschriften gegen NRW-Verfassungsschutz – Appell für die Pressefreiheit bundesweit veröffentlicht“

(8) a.a.O.

(9) a.a.O.

(10) a.a.O.

(11) http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2005/bvg05-057.html;jsessionid=0C244579E2EC62404C8EBAC25A45CF1C.2_cid392, zuletzt abgerufen am 26.10.2017 „Erfolgreiche Verfassungsbeschwerde gegen Aufnahme in Verfassungsschutzbericht
Pressemitteilung Nr. 57/2005 vom 28. Juni 2005
Beschluss vom 24. Mai 2005
1 BvR 1072/01

(12) jungefreiheit.de 07/06 10. Februar 2006 Appell für die Pressefreiheit Protest gegen Leipziger Buchmesse, zuletzt abgerufen am 27.10.2017

(13) Pressemitteilung:
Berlin, den 07. Februar 2006
„Appell für die Pressefreiheit: Arnulf Baring, Joachim Fest und Helmut Markwort unterstützen JUNGE FREIHEIT“, jungefreiheit.de

(14) a.a.O.

(15) jungefreiheit.de 08/06 17. Februar 2006
Ein Sieg für die Pressefreiheit
Die JUNGE FREIHEIT setzt sich durch / Leipziger Buchmesse nimmt politisch motivierte Ausladung wieder zurück / Chronologie eines Skandals

(16) „Leipzig zensiert“ Pressefreiheit: Die JUNGE FREIHEIT wehrt sich gegen ihre willkürliche Aussperrung von der Leipziger Buchmesse Ein Text von Andreas M. Daniel, 10.02.2006, jungefreiheit.de

(17) a.a.O.

(18) jungefreiheit.de 08/06 17. Februar 2006 Danke!

(19) https://de.wikipedia.org/wiki/Extremismus_der_Mitte, zuletzt abgerufen am 31.10.2017

(20) https://cdn.afd.tools/sites/75/2017/01/22152046/Unvereinbarkeitsliste-Mitgliedschaft-AfD-2017-02-22.pdf, zuletzt abgerufen am 31.10.2017

(21) Zu den Ereignissen auf der Frankfurter Buchmesse 2017 informieren zum Beispiel diese Artikel:

https://www.infonordost.de/frankfurter-buchmesse-wo-die-rechten-wueten, zuletzt abgerufen am 10.11.2017 („Frankfurter Buchmesse: Wo die Rechten wüteteten“ vom 16.10.2017)

http://www.fr.de/kultur/buchmesse-frankfurt/buchmesse-vor-ort/neue-rechte-tumulte-bei-antaios-veranstaltung-a-1368729, zuletzt abgerufen am 10.11.2017 („Tumulte bei Antaios Veranstaltung“ vom 14.10.2017)

http://www.deutschlandfunkkultur.de/frankfurter-buchmesse-debatte-um-hoecke-auftritt-geht-weiter.1008.de.html?dram:article_id=398304, zuletzt abgerufen am 10.11.2017 („Debatte um Hoecke Auftritt geht weiter“ vom 16.10.2017)

https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5455348&s=frankfurter+buchmesse/, zuletzt abgerufen am 10.11.2017 („Nazis auf Speed“ vom 17.10.2017)

(22) http://www.fr.de/kultur/buchmesse-frankfurt/buchmesse-vor-ort/antaios-auf-der-buchmesse-die-landnahme-a-1369283, zuletzt abgerufen am 05.11.2017

(23) http://www.fr.de/kultur/buchmesse-frankfurt/buchmesse-vor-ort/antaios-auf-der-buchmesse-die-landnahme-a-1369283, zuletzt abgerufen am 05.11.2017

(24) https://www.boersenverein.de/de/portal/index.html?meldung_id=1389266, zuletzt abgerufen am 05.11.2017

(25) https://www.boersenverein.de/de/portal/Mitgliedersuche/158377?suchstring=Kopp-Verlag&plz=&lv=, zuletzt abgerufen am 06.11.2017

(26) suchen und finden hier: https://catalog.services.book-fair.com/de/aussteller-und-verzeichnisse/aussteller-a-z/letter/all/xoffset/0, zuletzt abgerufen am 06.11.2017

(27) https://antaios.de/impressum, zuletzt abgerufen am 06.11.2017

(28) https://www.thueringen24.de/welt/article209662959/Schnellroda-Wo-gehts-denn-hier-zum-Rittergut.html, zuletzt abgerufen am 08.11.2017. Ein Beitrag von Jan-Henrik Wiebe, 19.02.2017

(29) https://www.openpetition.de/petition/online/charta-2017-zu-den-vorkommnissen-auf-der-frankfurter-buchmesse-2017, zuletzt abgerufen am 29.10.2017

(30) a.a.O.

(31) http://www.zeit.de/kultur/2017-07/68er-matthias-matussek-rechtspopulismus-identitaere, zuletzt abgerufen am 06.07.2017

(32) http://www.tagesspiegel.de/medien/streit-um-facebook-postings-die-welt-schmeisst-matthias-matussek-raus/12590686.html, zuletzt abgerufen am 30.10.2017

(33) http://www.taz.de/!5456188/, zuletzt abgerufen am 30.10.2017

(34) https://www.berliner-zeitung.de/kultur/literatur/dresden-das-buch–unter-sachsen–will-die-schlechte-stimmung-im-freistaat-erklaeren-26302356, zuletzt abgerufen am 30.10.2017

(35) a.a.O.

(36) Sezession, Heft 76, Februar 2017, https://sezession.de/archiv/76, zuletzt abgerufen am 10.11.2017

(37) https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5456062&s=doppelstaat/, zuletzt abgerufen am 31.10.2017. Ein eindringlicher Text mit der Überschrift „Meinungsfreiheit ist nicht beliebig“, verfasst von Samuel Salzborn vom 23.10.2017
Zur Ergänzung empfehlen wir diesen Beitrag: https://www.antifainfoblatt.de/artikel/der-doppelstaat, zuletzt abgerufen am 31.10.2017 mit dem Titel „Der Doppelstaat“ (2.2008)

 

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