Verein für Sprachpflege/Deutsche Sprachwelt

1. Einleitende Anmerkungen

2. Zu den Aktionen der Deutschen Sprachwelt und wer dahintersteckt

3. Quellenangaben

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1. Einleitende Anmerkungen

Der Verein für Sprachpflege (VfS) e.V. bezeichnet sich selbst als „Zusammenschluss von Vertretern verschiedener [Sprach-]Vereine mit dem Ziel, gemeinsam erarbeitete Publikationen zu ermöglichen[1] und ist Herausgeber der Zeitschrift Deutsche Sprachwelt (DSW) sowie Betreiber einer gleichnamigen Webseite. [2]

Treibende Kraft von Verein und Zeitschrift ist der rechtsextreme Historiker und Burschenschaftler Thomas Paulwitz mit seinen vielfältigen Verbindungen.

Schon 2013 stellte Siegfried Jäger vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung fest: „Manchmal plagiiert die „Sprachwelt“ ein bisschen: „Deutschland schafft seine Sprache ab“. Thilo Sarazzin lässt grüßen. Der fürchtete bereits, dass sich ganz Deutschland selbst abschaffe. Da ist die „Deutsche Sprachwelt“, so scheint es, auf etwas weniger fixiert: „Das wichtigste nationale Kulturprojekt: die Sprache“. Dieser Schein trügt: Die Sprachwelt und Paulwitz sind auf etwas anderes aus: die rechte Nation.“ [3]

Anmerkungen: Um weder rassistische noch antiziganistische Begriffe zu reproduzieren, wurde der nachfolgende Screenshot bearbeitet, das Z-Wort und das N-Wort wurden entfernt. [4]

Screenshot eines Textauszuges veröffentlicht im DISS-Journal 26 (2013)

Darum wundert es nicht, dass z.B. die Webseite Aktive Patrioten in der Deutschen Sprachwelt eine neue Stimme der Sprachgemeinschaft sehen und der Sprachzeitung Spitzennoten ausgestellt werden [5] und sich auch andere rechte/rechtsextreme Blogs/Zeitschriften mit der Deutschen Sprachwelt näher befassten, so der Leser*innenschaft näher bringen oder brachten, wie z.B. die Junge Freiheit, Eigentümlich frei … .

In den sozialen Medien ist die Deutsche Sprachwelt, mit 15 Tsd. Follower*innen bei twitter zum Beispiel vertreten, wo sie ihre Texte gegen gegenderte Sprache, gegen Denglisch, für Deutsch ins Grundgesetz, wo sie z.B. Rassismus und Antifeminismus weiterverbreiten können.

Auch die Aktion Sprachwahrer, die nachfolgend noch ausführlicher dargestellt wird, wird weiterverbreitet und unreflektiert vorgestellt und das nicht nur von rechten Medien, sondern auch durch den Stern, die Autobild, die Esslinger Zeitung, den Tagesspiegel, Focus, die Verkehrsrundschau, nt-v.de, die Bayerische Staatszeitung, die Stuttgarter Nachrichten, die Saarbrücker Zeitung … . In keinem der Artikel wurde erwähnt, wer dahintersteckt mit welcher Intention.

2. Zu den Aktionen der Deutschen Sprachwelt und wer dahintersteckt

  • Rettet die Schreibschrift, [6]

ein Aufruf, ein Appell mit mehr als 17.000 Unterschriften, die am 25. Oktober 2017 vor dem Stuttgarter Landtag an die KMK-Präsidentin Dr. Susanne Eisenmann übergeben wurden.

Initiiert wurde die „Aktion“ von Wolfgang Hildebrandt (Vorsitzender der Aktion Deutsche Sprache), dem rechtsextremen Burschenschaftler Thomas Paulwitz (Chefredakteur der Deutschen Sprachwelt) und Prof. Dr. Uta Seewald-Heeg (Vorsitzende der Neue(n) Fruchtbringenden Gesellschaft zu Köthen e.V., einem kleinen rechten Netzwerk, gegründet von Thomas Paulwitz, der diese Gesellschaft und das Netzwerk tatkräftig unterstützt)

  • Sprachsünder-Ecke,

einer festen Rubrik in jeder gedruckten Ausgabe der Deutschen Sprachwelt, in der Sprachsünder*innen vorgestellt werden. In diesem Jahr wurden vier ausgewählt, zwei für ihren Einsatz für gegenderte Sprache.

[7]

  • Leipziger Buchmesse

Eigenen Angaben zufolge ist die Deutsche Sprachwelt seit 2003 jedes Jahr auf der Leipziger Buchmesse mindestens mit einem Stand vertreten.

  • Jürgen-Moll-Preis

2013 gegründet, wird der Jürgen-Moll-Preis seit 2017 in Kooperation mit Sebastian Moll, der Deutschen Sprachwelt und der Theo-Münch-Stiftung für die Deutsche Sprache im Rahmen einer Veranstaltung auf der Leipziger Buchmesse verliehen. Im letzten Jahr wurde der österreichische Antifeminist Thomas Kubelik zum Preisträger 2017 erklärt, der mit 2.500 „dotiert“ ist.

Thomas Kubelik  ist ein erklärter Gegner gegenderter Sprache. Mit Vehemenz setzt er sich gegen das Binnen_I, den Genderstern und andere Formen des sichtbar Machens von Frauen und transidenten Menschen ein. Auch die antifeministische Frankfurter Erklärung hat Kubelik unterzeichnet. Kubelik schreibt z.B. auch für die antifeministische Onlineplattform cuncti oder Zukunft Europa.
2016 fungierte Kubelik als Referent für das Symposium Demo für Alle, einem Sammelbecken von antifeministischen, LBGTIQ*feindlichen, rechten und rechtsextremen Gruppen und Einzelpersonen.

Screenshot "Jürgen-Moll-Preis" auf dem Foto sind zu sehen: Thomas Paulwitz, Sebastian Moll, Josef Kraus, Tomas Kubelik.

[8]

Auf dem Foto von der Leipziger Buchmesse 2017 sitzen der Preisträger Kubelik, der rechtsextreme Ehrenpräsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), dessen neueste Buch im Manuscriptum-Verlag erschienen ist, Josef Kraus, auch Autor für die Deutsche Sprachwelt. [9] Daneben Sebastian Moll (Jürgen-Moll-Stiftung) sowie Thomas Paulwitz.

Das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels und damit die Veranstalterin der Buchmesse veröffentlichte unreflektiert, ebenso uninformiert und ignorant einen Artikel mit der Überschrift „„Preis für genug gegendert“ – Tomas Kubelik ausgezeichnet“. Womit ein antifeministischer Lehrer so mir nichts dir nichts als „Sprachkritiker“ verharmlost wurde.

Tomas Kubelik ausgezeichnet. "Der Sprachkritiker und Gymnasiallehrer Tomas Kubelik erhält den mit 2.500 Euro dotierten Jürgen-Moll-Preis vür verständliche Wissenschaft..... ". (Screenshot)

[10]

Einige Informationen zur Person von Thomas Paulwitz:

Der Burschenschaftler [11] Th. Paulwitz ist Schriftleiter und Chefredakteur der Deutsche(n) Sprachwelt vom Verein für Sprachpflege e.V, seit 2015 Vorstandsvorsitzender der Theo-Münch-Stiftung (TMS) für die Deutsche Sprache und von 2009 bis 2015 war er Ordensrat für Sprachpflege im Pegnesischen Blumenorden. [12] Aktuell ist Paulwitz ebenfalls Sprecher der AG Straße der deutschen Sprache.

Wegen vereinsschädigenden Verhaltens wurde Paulwitz aus dem rechten Verein Deutsche Sprache (VDS) ausgeschlossen. „Einige Regionalgruppen und Mitglieder des VDS gingen allerdings nicht, wie vom Vorstand gewünscht, auf Distanz zu Paulwitz; auch kam es zu Doppelmitgliedschaften in den Sprachgesellschaften.“ [13] Wann dieser Ausschluss erfolgte, konnte nicht ermittelt werden.

Darüberhinaus war/ist Paulwitz Autor für die „neu“rechte“ Wochenzeitung Junge Freiheit, für den AfD-nahen Blog Freie Welt, für das Ostpreußenblatt [14], das Preußeninstitut, für die Akademischen Blätter, das Deutschland-Journal der Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft (SWG). Er war auch Autor von Artikeln in Sammelbänden herausgegeben vom Akademischen Verein Kyffhäuser (VVDSt-KV) oder Verband der Vereine Deutscher Studenten (VVDSt). [15]

2006 wurde ihm für seine rechte Publizistik der Gerhard-Löwenthal-Preis von der Förderstiftung konservative Bildung und Forschung (FKBF) in Kooperation mit der Junge(n) Freiheit verliehen.

Ob als Referent für den Verband der Vereine der deutschen Studenten (VVDST), für GENIUS Gesellschaft für freiheitliches Denken, einem extrem rechten Vereins mit Sitz in Wien, für die rechtsextreme Gesellschaft für freie Publizistik (GfP), die vom VS beobachtet und im jährlichen VS-Bericht aufgeführt ist, oder für das Netzwerk Deutsche Sprache… Thomas Paulwitz war/ist im rechtsextremen Spektrum bestens vernetzt.

  • Straße der deutschen Sprache

die Straße der deutschen Sprache, einer Webseite mit Informationen über touristische Routen „entlang sprachgeschichtlich bedeutsamer Orte“, die durch Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen und Nordbayern führt, [16] mit insgesamt 25 teilnehmenden Kommunen. [17]
Literatur als Reiseerlebnis“, schrieb Tourismus Nürnberg am 31.11.2018. Bereits 2011 berichtete n-tv über die Straße der deutschen Sprache, deren Route mittlerweile 25 Städte verbinde,[18] doch nirgendwo stand ein kritischer Hinweis über Thomas Paulwitz.

  • Deutsch ins Grundgesetz [19],

eine Petition an den Deutschen Bundestag, die im September 2018 gestartet wurde und von Josef Kraus, Andrew Onuegbu, Prof. Dr. Uta Seewald-Heeg (Vorstandsvorsitzende der Neue(n) Fruchtbringende Gesellschaft zu Köthen e.V.) und Prof. Dr. rer. Pol. Andreas Troge (Präsident des des Umweltbundesamtes a.D.) unterstützt wird. [20]

[21]

  • Sprachwahrer des Jahres

Seit 2004 kührt die Leser*innenschaft der Deutschen Sprachwelt (DSW) alljährlich d. Sprachwahrer*in des Jahres, „… um einen in ihren Augen vorbildlichen Einsatz für die deutsche Sprache zu würdigen“. [22]
Als „Sprachbewahrer“ wurden u.a. bisher „gewählt“: der rechtsextreme Manuscriptum Verlag (2008), der Rassist Peter Hahne (2010), der nach wie vor auf der Verwendung des N-Wortes und des Z-Schnitzels besteht, Heike Diefenbach und Michael Klein (Betreiber des antifeministischen rechten Blogs Science Files) (2014), Henryk M. Broder (Autor für die rassistische, islamfeindliche Achse des Guten, Erstunterzeichner der Erklärung 2018 …) und Hamed Abdel-Samad (Autor für die Achse des Guten, geladener Gast bei der Jungen Alternative der AfD [23]…) (2016).

Gute Aussichten auf den diesjährigen Preis als „Sprachwahrer 2018“ hat der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mit der Begründung: „Kurz überzeuge durch seine Beredsamkeit. Er verstehe es, mit wohlgesetzten Worten auch schwierige politische Zusammenhänge verständlich darzustellen. Deswegen sei die Schmähung als „Schweigekanzler“ ungerechtfertigt und irreführend. Zudem sorge Kurz dafür, dass die Höhe der Sozialleistungen an Asylberechtigte von deren Anstrengungen abhängt, Deutsch zu lernen. Ebenfalls benannt ist Österreichs Bundesministerium für Landesverteidigung, das nun auf das „Binnen-I“ verzichtet.“ [24]

  • ein Portal für Sprachpflege (sprachpflege.info)

das anlässlich des Tages der deutschen Sprache an den Start ging.

Die Politische Einschätzung des Vereins für Sprachpflege und der Deutsche(n) Sprachwelt lässt sich in nur einem Satz zusammenfassen: Die Sprachwelt und Paulwitz sind auf etwas anderes aus: die rechte Nation.“ [25]

3. Quellenangaben:

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Verein_f%C3%BCr_Sprachpflege, zuletzt abgerufen am 30.12.2018. Das Zitat stammt von: http://deutschesprachwelt.de/berichte/dsw/presse-gfds.shtml#VfS, einer Seite, die mittlerweile nicht mehr gefunden werden kann.

[2] https://deutsche-sprachwelt.de/impressum/, zuletzt abgerufen am 30.12.2018

[3] https://www.diss-duisburg.de/2013/11/mogelpackung-deutsche-sprachwelt/, zuletzt abgerufen am 30.12.2018

[4] https://www.diss-duisburg.de/2013/11/mogelpackung-deutsche-sprachwelt/, zuletzt abgerufen am 30.12.2018

[5] http://www.aktive-patrioten.de/rechtsdruck/zeitungen/deutsche-sprachwelt/, zuletzt abgerufen am 30.12.2018

[6] https://deutsche-sprachwelt.de/aktionen/rettet-die-schreibschrift/, zuletzt abgerufen am 30.12.2018

[7] https://deutsche-sprachwelt.de/aktionen/sprachsuender-ecke/, zuletzt abgerufen am 30.12.2018

[8] https://deutsche-sprachwelt.de/aktionen/juergen-moll-preis/, zuletzt abgerufen am 30.12.2018

[9] https://deutsche-sprachwelt.de/druckausgaben/druckausgaben-2018-71-bis-74/, zuletzt abgerufen am 30.12.2018; im Frühling 2018 mit den Texten: „Neues Duden-Machwerk „Richtig gendern“, „Ungarische Studentin wird „Auslandsdeutsche des Jahres 2017““, „Die kleine Sprachwelt“ (Kinderseite), Sprachwitz gewinnt: Die Sprachwahrer des Jahres 2017“, „Sprachsünder-Ecke: Berliner Innensenator Andreas Geisel“.

[10] https://www.boersenblatt.net/artikel-juergen-moll-preis_fuer____genug_gegendert___.1295325.html, zuletzt abgerufen am 31.12.2018

[11] https://www.stura.tu-dresden.de/webfm_send/2656, zuletzt abgerufen am 29.12.2018 In dieser Informationsschrift wird Thomas Paulwitz als Bundesbruder (S. 48) bezeichnet.

[12] https://www.blumenorden.de/index.php/Stammliste, zuletzt abgerufen am 29.12.2018

[13] https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Paulwitz, zuletzt abgerufen am 28.12.2018

[14] http://archiv.preussische-allgemeine.de/1998/1998_04_18_16.pdf, zuletzt abgerufen am 29.12.2018. Ausgabe 18. April 1998, Folge 16, S. 6

[15] http://www.thomas-paulwitz.de/31,0,veroeffentlichungen,index,0.html, zuletzt abgerufen am 09.01.2018

[16] https://www.strasse-der-deutschen-sprache.de/strassederdeutschensprache/de, zuletzt abgerufen am 29.12.2018

[17] https://www.strasse-der-deutschen-sprache.de/strassederdeutschensprache/de/Stationen, zuletzt abgerufen am 29.12.2018

[18] https://www.n-tv.de/reise/Route-verbindet-25-Staedte-article2978831.html, zuletzt abgerufen am 28.11.2018

[19] https://www.deutsch-ins-grundgesetz.de, zuletzt abgerufen am 30.12.2018

[20] https://www.deutsch-ins-grundgesetz.de/unterstuetzer.html, zuletzt abgerufen am 30.12.2018

[21] https://deutsche-sprachwelt.de/aktionen/deutsch-ins-grundgesetz/, zuletzt abgerufen am 30.12.2018

[22] https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprachwelt#Sprachwahrer_des_Jahres, zuletzt abgerufen am 30.12.2018

[23] https://markus-mohr.info/hamed-abdel-samad-vortrag-bei-der-jungen-alternative-ein-gespraech-mit-veranstalter-yannick-noe/, zuletzt abgerufen am 30.12.2018

[24] https://deutsche-sprachwelt.de/2018/12/wird-sebastian-kurz-sprachwahrer-des-jahres/, zuletzt abgerufen am 30.12.2018

[25] https://www.diss-duisburg.de/2013/11/mogelpackung-deutsche-sprachwelt/, zuletzt abgerufen am 30.12.2018

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